Wie fliegt sich die SD1 ?

Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Thommy » Do 12. Mai 2016, 12:26

Hallo Zusammen

ich bin neu hier im Forum, habe schon einige Zeit immer wieder mal mitgelesen, zum Bau, Motor, Verbesserungen wurde sehr viel geschrieben aber zum fliegen der SD1 gibt es nur sehr wenig. Ein englischen Bericht im Netz und im Aerokurier war mal was drin.

So nun gleich meine Fragen, wie fliegt sich denn nun die SD1?
- Empfindlichkeit Thermik, Seitenwind usw.
- starten, laden einfach oder anspruchsvoll ... ist slipen gut oder nicht so gut möglich usw.
- wie ist die Dynamik, wendig, oder zu wendig also kippelig ... Rollrate etc. pp ...
- fühlt man sich "gut" bzw wohl obwohl so "klein" und leicht? oder eher ein Blatt im Wind ...
- wie viel Wartung hat man so bei 20-30 Stunden Flugzeit

Ich selbst komme vom Drachenfliegen über das Gleitschirm und Motorschirmfliegen zum LAPL(A) alles innerhalb der letzten 17 Jahre ... bin nun 42 ...und habe mit einem Kumpel momentan einen alten Blechflieger eine PA28 ... aber das UL 3-achs war bisher nicht auf meiner Rechnung da ich C42 nicht sooo hübsch finde, seit einiger Zeit schaue ich aber mit immer größer werdendem Interesse in die 120kg Klasse ... und da sticht die SD1 schon ganz klar heraus als tolles Fliegerle, einfach und unkompliziert aber doch Flugzeug Optik und Feeling ...

über Antworten würde ich mich sehr freuen

Viele Grüße
Thommy
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon kh. » Fr 20. Mai 2016, 18:04

Servus!

Beim ersten Start hatte ich schon Herzklopfen, weil man ja keinen Lehrer oder Einweiser dabei hat und völlig auf sich gestellt ist....
Ist aber total easy going!!!!! Das Flugzeug fliegt völlig ausgewogen, die Ruder sind nahezu perfekt abgestimmt (nicht wie bei anderen UL`s)
und in meinen Fall mit dem 23PS Briggs Motor hat man 2m/s Steigen und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von etwa 145 Km/H.
Beim Start nimmt man die erste Klappenstufe, Knüppel an den Bauch, etwa 100m beschleunigen, dann von der Dreipunktlage drücken und
bei 85-90 Km/H dann abheben und mit 90-100 steigen, Klappen zurücksetzen und mit 100 weitersteigen. Bei anderen Motorisierungen ist
das evtl. anders aber da musst du e nach Flughandbuch verfahren- logisch.
Das Flugzeug ist nicht fickrig es fliegt relativ indifferent und automatisch so wie man will, die Ruder kann man aber eigentlich nicht auslassen
wie bei einer PA28.
Langsamflug und Überziehverhalten ist unkritisch, die Geschwindigkeitsmarkierungen mit und ohne Klappen stimmen da genau!
Man sollte unbedingt darauf achten, dass man bei der voller Klappenstufe die Geschwindigkeit genau fliegt sonst übertragen sich grosse
Kräfte auf die Flapperon Mixerkonsole, die ja verstärkt wurde (LTA)!!!!
Das einzige Problen ist, das dieses Flugzeug süchtig macht und zwar sofort ! also Vorsicht!
Fliegergruss aus Straubing Karl-Heinz
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Stephan » Do 26. Mai 2016, 06:15

Hallo Thommy,
im wesentlichen kann ich das was Karl-Heinz schreibt nur bestätigen.
Es gibt nur eins was ich ergänzen möchte und ich bin mir darüber im Klaren das ich nicht bei jedem Zustimmung ernten werde.
Die SD1 ist, auf meiner Sicht, kein Flieger für Anfänger oder so genannte "Wenig Flieger"!
Auch wenn Start und Landung auf einer gepflegten Grasbahn noch gut beherrschbar sind, ändert sich das auf Asphalt dramatisch! Die fehlende Spurtreue und die geringen Massen erfordern einen ausgesprochen sensiblen Umgang mit dem Seitenruder und das macht die SD1 schon etwas zickig.
Ich bin selbst mit verschiedenen Spornradfliegern unterwegs gewesen und besitze neben der SD1 auch noch eine Rans mit Spornrad. Die SD1 ist definitiv der anspruchsvollste Flieger den ich bislang geflogen bin.
Das Problem liegt aus meiner Sicht daran das der typische SD1 Pilot so viel Erfahrung hat, dass ihm der Anspruch an das Gerät nicht mehr auffällt und so kommt es zu fragwürdigen Empfehlungen an potenzielle Interessenten.
Ich habe ich den letzten Wochen mit verschiedenen Leuten gesprochen denen mit sehr wenig Erfahrung und ohne Spornradeinweisung eine SD1 TD empfohlen wurde und die ganz erstaunt waren das ich sie nicht fliegen lassen wollte!

Versteht mich nicht falsch, der Flieger ist wirklich super, macht beim Bau und beim Fliegen irrsinnig Spaß aber er ist mit Spornrad auch fliegerisch fordernd (jedenfalls bei Start und Landung).

Viele Grüße
Stephan
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Thommy » Do 26. Mai 2016, 20:08

Hallo Karl-Heinz und Stephan

danke Euch, genau diese Info mag ich haben ...
Wenn mir jemand sagt bereite dich vor bevor du damit fliegst dann mach ich das, weiss ich es nicht fall ich damit vielleicht auf die Nase.
Keiner sagt Dir wenn man eine PA28 von 1962 (rechteckige Flächen) beim landen zu langsam wird dann steckt das Fahrwerk im Tank ... hatte ich aus Amerikanischen Literatur ...

Hab also noch Fragen 8-)
Also wenn ich auf unserem Grasplatz in Kehl fleißig üben würde, dann nach XX Starts auf Hartpiste umsteige wäre das ein Weg?
Ich bin bisher nur Bugrad geflogen aber auch gerne bereit eine Spornradeinweisung in einer Flugschule zu machen.
Mag aber nicht vor jeder Landung Angst vor einem "Ringelpitz" bekommen ... das wäre dann nicht so dolle.

Noch eine Frage, wie "fühlt" sich denn das Fliegen damit an? also ich kann es mir fast nicht vorstellen wenn ich die doch recht "dünnen" Kieferleisten sehe denke ich immer "na wenn ich da mal mit dem Arm beim "kartegrusteln" dagegen drücke hat der Rumpf einen Knick".

bei uns im Verein ist man etwas gegen 120kg Flieger ... wollen mir eine Kitfox verkaufen ...

Danke schon mal für die Antworten ich werde mal den 16/17.07 ins Auge fassen zum SD1 Treffen

Viele Grüße
Thommy
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon kh. » Fr 27. Mai 2016, 07:55

Jetzt bin ich wieder dran oder :D
Spornradfliegen kann man einfach lernen wie so viele andere Dinge auf dieser Welt.
Das hat nichts mit x Landungen zu tun.
Anfühlen tut sich das Flugzeug natürlich filigran, wenn man aber die statischen Belastungstests vom Hersteller anschaut kann man daran
glauben, dass im Normalbetrieb nichts bricht. Ein Segelflieger der mit Holzflugzeugen aufgewachsen ist wird da weniger Berührungsängste
haben als ein "Cessna Pilot". Man gewöhnt sich aber ruck zuck daran so ein spezielles Flugzeug zu fliegen und ich merke es erst dann wieder wenn
ich eine Beech Bonanza o.ä. fliege. Das kommt mir dann riesig vor und alles aus Gusseisen oder so!!!
Fliegerisch fühlt sich die SD-1 grösser und erwachsener an als sie aussieht. Wer das Sponradfliegen nicht beherrscht könnte ja auch ein Bugfahrwerk ordern.
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Thommy » Fr 27. Mai 2016, 18:00

Hallo Karl-Heinz

Ja danke Dir, genau wir machen bisle Poing-Pong mit den Antworten :)
Ich habe mal des Handbuch durchsucht und ich bin leider mit etwas "schweren" Knochen ausgestattet würde heißen ich kann nix ins Gepäckfach machen.

Gepäckfach Pilotensitz
0 kg min. 60 kg max. 93 kg
5 kg max. 80 kg
10 kg max. 68 kg

heisst wenn man mit 90kg Abtropfgewicht noch 3-5 kg ins Gepäckfach tut ist die SD Hecklastig?
Ich dachte man sitzt so einigermaßen im Schwerpunkt bzw.kurzer Hebelarm und wenn man noch was verändert tut sich an "Weight and Balance" also Schwerpunkt nix also nicht viel, aber so wie es aussieht wäre es ja so als ob die Beine nicht angezogen werden dürften beim Flug sonst simma auch Hecklastig? ... oder?
6. Wird Gepäck im Gepäckfach mitgeführt, so ist die Zuladung im Pilotensitz
beschränkt, da sonst der zulässige Schwerpunktbereich verlassen wird.
7. 5 kg Gepäck im Gepäckfach verringert die zulässige Pilotenmasse auf 80 kg.
8. 10 kg Gepäck im Gepäckfach verringert die zulässige Pilotenmasse auf 68 kg.


hmm also da muss ich noch abnehmen vor der "großen" Reise :D

PS: das lernen auf Spornrad traue ich mir zu auch das Starten und Landen mit einem Drachen war nicht immer einfach ... aber es gibt eben Kisten wie die FK12 Comet die man immer mit ein zwei Schweißperlen auf der Stirn landet :shock:

Danke und Viele Grüße
Thommy
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon kh. » Fr 27. Mai 2016, 19:08

Hi Thommy!

Bei der Schwerpunktwägung ist es sinnvoll neben der Leerwägung auch mal selbst einzusteigen und zu schauen wo man liegt, jeder Mensch hat eine andere Gewichtsverteilung an seinen Körper! Das kann man nicht berechnen. In unserem Fall komme ich ohne Sprit aber mit vollem Gepäck oder umgekehrt vollgetankt und ohne Gepäck nicht aus dem Limit! (habe nur 76 Kilo).Beim fliegen merkt man aber natürlich schon jedes kilo mehr und wie viel Sprit drin ist!
In deinen Fall würde ich NICHT den schwächsten Briggs Motor wählen sonst bist du bei der Steigleistung und den Temperaturen schnell am Limt.
Vorgestern bin ich bei 20 Grad Celsius mit 2,8 Meter rausgestiegen und heute bei schwülen 26 Grad mit 2,3 Meter pro Sekunde. Im Hochsommer bin ich bei 1,5 Meter und muss dann auch schneller fliegen um die Kopftemperatur im Limit zu halten- ist aber kein Problem.
Aber der Spritverbrauch ist sensationell niedrig - zwischen 3,5 und maximal 4,5 Liter pro Stunde !!natürlich Autobenzin.
Bitte nagelt mich rechtlich nicht fest! es sind meine subjektiven Erfahrungen mit der Materie und ich bin nicht der grosse Spezialist hier!

Fliegergruss aus Straubing Karl-Heinz !!
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Thommy » Mi 1. Jun 2016, 18:16

Hallo Karl-Heinz

danke Dir für die Antworten, ich denke es wird der neue SE33-Motor von B&S werden.
und dann mal so ein Quick-Build-Kit kaufen und den Rest dann selbst zusammenstöpseln.
so wie das die Jungs hier im Forum machen ist absoluter wahnsinn ich würde durchdrehen da fehlt mir einfach Geduld.
Ich bewundere es echt wie man die SD1 nur aus Material bauen kann.

wie ist eigentlich die Erdsicht und die Sicht nach vorne?
oft sieht man nur Flügel und Instrumentenbrett in anderen Fliegern ...

viele Grüße
Thommy
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon FliegerStefan » Sa 4. Jun 2016, 08:45

Hallo Thommy,

ich möchte noch ein paar Informationen zu Deinen Ausgangsfragen ergänzen:

Die SD-1 lässt sich einwandfrei slippen. Du wirst den Slip brauchen, wenn Du kurze Plätze anfliegen willst oder wenn der Anflug über Wald o.ä. geht. Durch die gute Aerodynamik gleitet die Maschine auch bei vollem Klappenausschlag ganz ordentlich. Mit etwas zu viel Fahrt angeflogen schwebt die Maschine im Bodeneffekt recht lange.

Wie ein Blatt im Wind fühlt man sich üblicherweise (zumindest in böiger Luft) in Flugzeugen, welche
- entweder sehr geringe Flächenbelastung haben (ich denke da an Bereiche so um die 20kg/qm)
- und / oder vor allem um die Längsachse schlecht steuerbar sind wegen weichem Flügelaufbau oder weicher Steuerung, oder wegen was auch immer.

Bei der SD-1 ist das definitiv nicht so. Die Flächenbelastung liegt im „üblichen“ UL-Bereich und die Steuerbarkeit um alle Achsen ist extrem gut.

Dennoch wird man in Turbulenzen ordentlich durchgeschüttelt. Die kurzen, harten Flügel lassen die Schläge voll durch. Die Steuerbarkeit oder Kontrolle ist immer gegeben, bedingt durch die direkte Ruderwirkung. In böiger Luft ist man dauernd am Rudern.

Die Steuerung ist sehr direkt und hat nur leichte Ruderdrücke, die aber mit zunehmender Geschwindigkeit etwas ansteigen. Man steuert die Maschine praktisch mit zwei Fingern. Normalerweise reichen kleinste Ausschläge aus (also max. ein paar Zentimeter am Knüppel).

Die sehr direkte und leichtgängige Steuerung erfordert vom Piloten einen wachen Verstand und gutes Gefühl, da gibt es nichts drum rum zu reden. Das hat aber nichts mit kippeligem oder kritischem Verhalten zu tun, es braucht eben Übung und gewisse Erfahrung, vor allem beim Start und der Landung (zumindest beim Spornrad-Fahrwerk). Aber alles kann man lernen und üben.

Ich habe schon verschiedene ULs geflogen, unter anderem auch die FK12 Comet und einen AvidFlyer. Ich bin da ganz bei Stephan, die SD-1 steht vom Anspruch her ganz oben, ich kann aus Erfahrung sagen auf ähnlichem Niveau wie die Comet. Nicht viel weniger Anspruch erfordert übrigens der AvidFlyer. Wer mit einem Spornrad-Avid nicht klar kommt, sollte sich ein Umstieg auf eine Spornrad SD-1 gut überlegen. Der Avid und die Comet würden sich gut zur Einweisung auf eine SD-1 eignen.

Ich sehe das wie Stephan, denjenigen Piloten mit entsprechend Übung bzw. Erfahrung fällt der Anspruch an den Flieger nicht mehr wirklich auf, weil sie eben Routine haben und die Abläufe sitzen, ohne groß nachzudenken.

Zum Thema Wartung kann ich sagen, dass das natürlich viel mit der persönlichen Einstellung zu tun hat. Die Einen warten so lange bis etwas kaputt ist und liegen dann halt vielleicht auch mal im Acker. Die Anderen kümmern sich um ihre Flieger, erkennen und ersetzen auffällig gewordene Teile oder sonst was, bevor es möglicherweise zu Ausfällen kommt. Ich denke die meisten Selbstbauer gehören zu dieser Spezies.
Wer es nicht so mit der Technik hat, sollte besser die Finger vom Flieger lassen, ja nichts verbasteln und die Wartung / technische Betreuung den Leuten mit Erfahrung überlassen (das gilt für alle Flieger gleich, hat nichts mit der SD-1 im Speziellen zu tun).

Ich selbst habe zu Beginn nach fast jedem Flug die gesamte Zelle und den Antrieb genauestens gecheckt. Ich traute meinen eigenen Baukünsten nicht so recht. Mit der Zeit bekommt man mehr Vertrauen und das Fliegen rückt dann mehr in den Vordergrund.

Inzwischen prüfe ich halt vor jedem Flugtag gründlich durch und die regelmäßigen Checks nach der Wartungs- und Kontrollliste bei 25 – 50 – 100 Stunden. Das ist im Grunde das Gleiche wie bei anderen Fliegern auch. Momentan bin ich aber erst bei 35 Stunden.

Die Sicht aus dem Cockpit ist ganz gut. Die Kabinenhaube könnte seitlich etwas tiefer ausgeschnitten sein, um besser schräg nach vorne unten zu sehen. Am schmalen Rumpf kann man gut rechts und links entlang schauen. Will man direkt nach unten schauen braucht es nur einen kurzen Ausschlag mit dem Querruder, schon ist Erdsicht gegeben …. .

Wir wohnen ja recht nah beieinander. Wenn Du Lust und Interesse hast kannst Du gerne bei mir auf dem Flugplatz vorbeischauen. Live spricht es sich einfacher wie hier im Forum.

Viele Grüße

Stefan, D-MSWA
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Re: Wie fliegt sich die SD1 ?

Beitragvon Thommy » Sa 4. Jun 2016, 12:25

Hallo Stefan

wow wie eine FK12, den Vergleich hatte ich bisher noch nicht gehört ... das wäre dann fast abschreckend ...

Grüße und Danke Dir
Thommy
Zuletzt geändert von Thommy am So 25. Apr 2021, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
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